Michael Klonovsky
Ihr Kandidat für den Bundestag

Manfred Weber, stellvertretender CSU-Vorsitzender und Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europaparlament, ist der Ansicht – nein, falsch: gibt vor, der Ansicht zu sein –, dass „Radikale wie die AfD“ in Deutschland oder der Rassemblement National Marine Le Pens in Frankreich mitverantwortlich für die antijüdischen Ausschreitungen der vergangenen Tage seien. Diese Parteien hätten „Grenzverschiebungen“ beim Antisemitismus „befeuert“, sagte er der Funke Mediengruppe.

Beiseite gesprochen: Ich weiß nicht, wie man „Grenzverschiebungen befeuert“, bin aber immer ganz zufrieden, wenn sie sich schon mit ihrem unlauteren Deutsch zu erkennen geben. Andrerseits: Der Mann ist seit zwanzig Jahren in der Politik, so einer kann am Ende nicht nur ausschließlich in Worthülsen sprechen, der denkt auch in Worthülsen. Das nennt sich Déformation professionnelle (berufsbedingte Missbildung, ungefähr wie der sogenannte Tennisellenbogen bei Tennis-Profis).

Als CSU-Politiker ist Weber Mitglied der momentan bedeutendsten Antisemiten-Importspedition mindestens Europas: der von Frau Merkel geführten und rechtgeleiteten Union. Die „Männer“ und „Gruppen“, die in Gelsenkirchen, Köln, Berlin-Neukölln und anderswo „Scheiß Juden“ brüllten und Steine auf Synagogen warfen, dürften ihr Hiersein zu großen Teilen dem Wirken jener Spedition verdanken. Eine einzige Partei hat sich dem Willkommensdelirium von Anfang an entgegengestellt und vor den Folgen gewarnt. Nun behauptet also Herr Weber – beziehungsweise er tut so, als meine er es –, diese Partei sei für den importierten Antisemitismus verantwortlich.

„Man kann man nicht Millionen Juden töten und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen“, sprach bekanntlich der Modemacher Karl Lagerfeld, als Geschäftsmann mit den Grundregeln der Logik vertraut. Doch, diese Bundesregierung, diese Unionsparteien, die können es. Sie können sogar die Kritiker ihrer Politik zu den Verantwortlichen der Folgen ihrer Politik erklären. Unter Merkel ist nicht nur der offene Judenhass in Deutschland wieder straßentauglich geworden, unter Merkel darf man diejenigen „Nazis“ nennen, die diese Entwicklung kritisieren.

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